Promotionsförderung

Am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik wird in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Promotionsstudiengang "Soziale Dienste im Wandel" angeboten. Weiterhin ist dort das DFG Graduiertenkolleg "Transnationale soziale Unterstützung" mit Prof. Wolfgang Schröer als Ansprechpartner angesiedelt. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte den Seiten des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik.

Das neue Graduiertenkolleg "Gender und Bildung" startete zum 1.1.2012.  Prof.Dr. Meike S. Baader ist eine von drei verantwortlichen SprecherInnen des Kollegs. Weitere Informationen erhalten Sie auf den Seiten des Gleichstellungsbüros der Universität.

 

 

Betreuung von Promotionen, Doktorand_innenkolloquien

Promotionsvorhaben werden in der Regel von den Professor_innen in kleinen Guppen (Kolloquien) betreut. Diese können Instituts- oder Personenbezogen sein.

Informieren Sie sich ggf. auf den Seiten der Universitätsinstitute über Promotionsmöglichkeiten oder sprechen Sie einen Professor/eine Professorin Ihrer Wahl persönlich in der Sprechstunde darauf an.

Die Sprechzeiten finden Sie auf den Seiten der Universitätsinstitute.

 

Promotionsgrogramm "Soziale Dienste im Wandel"

Das Promotionsprogramm „Soziale Dienste im Wandel“ ist angesiedelt am Institut für Sozial- und Organisationpädagogik in Kooperation mit der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft des Instituts für Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim und wird gefördert vom Land Niedersachsen. Das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen ist am Promotionsprogramm beteiligt. Die ersten Stipendiatinnen und Stipendiaten haben im Oktober 2010 die Arbeiten an Ihren Forschungsprojekten aufgenommen. Im Zentrum der Promotionsarbeiten stehen die sozialen Dienste im Sinne sozialer Dienstleistungsangebote und ihrer Organisationsformen vor dem Hintergrund nationaler und internationaler Wandlungs- und Veränderungsprozesse.

Dabei sind die jeweiligen Forschungsprojekte den folgenden drei Forschungsschwerpunkten zuzuordnen: Im Schwerpunkt „Transnationalität der Sozialen Dienste“ geht es in Anlehnung an die transnationale soziale Unterstützungsforschung um Entwicklungsprozesse in und von inter- und transnationalen Organisationen und Netzwerken. Im Schwerpunkt „Management, Regulierung, Recht, Kommunikation von und in Sozialen Diensten“ stehen vor allem die Veränderungen der sozialen Dienste hinsichtlich neuer Formen der Regulierung und Steuerung, der Kommunikation, des Rechts und des Managements im Mittelpunkt. Im Schwerpunkt „Biographien, Übergänge und Soziale Dienste“ geht es vor allem – auch in Anknüpfung an die Adressaten- und Übergangsforschung – darum, neue Zugänge im Verhältnis der Bürgerinnen und Bürger zu den sozialen Diensten zu erforschen und zu entwickeln. Bei drei von neun StipendiatInnen des Promotionsprogramms ist Kindheit ein zentrales Themenfeld ihrer Promotion. Sie blicken mit einer   Wissenssoziologischen Diskursanalyse auf das diskursive Phänomen und ‚soziale Problem‘ der Bildungsbenachteiligung  bei (Migrations-)Kindern (Miriam Sitter), sie forschen zu „Kindertageseinrichtungen im Modernisierungsprozess. Funktionszuschreibung im Wandel?“ (Britta Karner) und erkunden „Die Förderung gemeindebasierter sozialer Sicherung HIV- und AIDS-betroffener Kinder im südlichen Afrika durch transnationale soziale Hilfsdienste“ (Andreas Wagner).

 

Britta Karner, Promotionsprogramm „Soziale Dienste im Wandel“

„Kindertageseinrichtungen im Wandel?“

Das Handlungsfeld der öffentlich-organisierten Kindertagesbetreuung, als ein die Familie in den ersten Lebensjahren unterstützendes und ergänzendes Setting öffentlich organisierter Erziehung, Bildung und Betreuung, ist in den Jahren ab der letzten Jahrhundertwende stark in den Fokus öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit gerückt. Diese politische Aufmerksamkeit mündet(e) sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene in einen politischen Gestaltungswillen in (zumindest für die alten Bundesländer) bis dato unbekanntem Ausmaß. Sowohl in politischen als auch fachwissenschaftlichen  Stellungsnahmen findet sich in diesem Kontext häufig die Forderung, Kindertageseinrichtungen müssten sich von einer Betreuungseinrichtungen für Kinder aus Familien in Not in eine Bildungseinrichtung für alle Kinder weiterentwickeln. Die vorliegende Arbeit möchte am Beispiel der sog. Bildungs- und Erziehungspläne, die in der Zeit von 2002 bis 2006 in allen 16 Bundesländern von staatlicher Seite erstellt bzw. in Auftrag gegeben wurden, der Frage nachgehen, wie das Handlungsfeld der Kindertageseinrichtungen in diesen politischen Papieren hergestellt wird. Dies interessiert einerseits in inhaltlicher Hinsicht, welche Aufgaben und Funktionen werden in den sog. Bildungs- und Erziehungsplänen für dieses Handlungsfeld konstituiert, andererseits fragt die Arbeit in Anlehnung an die ethnomethodologische Konversationsanalyse auch danach, auf welche Darstellungsformate der Text zurückgreift, um diese Setzungen glaubwürdig und überzeugend darzustellen.

 

Miriam Sitter, Promotionsprogramm „Soziale Dienste im Wandel“

Eine Wissenssoziologische Diskursanalyse über das Phänomen und ‚soziale Problem‘ bildungsbenachteiligter (Migrations-)Kinder (Arbeitstitel)

So aufmerksam sich der frühkindlichen Förderung von bildungsbenachteiligten (Migrations-)Kindern von wissenschaftlicher und bildungsreformpolitischer Seite auch aktuell zugewandt wird, so verengt scheinen einige weitere daran beteiligte Initiativen und Diskurse hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Voraussetzungen, Folgen und diskursiven Nebeneffekte betrachtet zu werden. Angelegt als eine Wissenssoziologische Diskursanalyse und unter Rückgriff auf Michel Foucaults Konzept der ‚Problematisierung‘ untersucht die vorliegende Studie die interdisziplinäre, bildungsreformpolitische sowie (fach-)öffentliche Auseinandersetzung über bildungsbenachteiligte (Migrations-)Kinder und ihre häufig an normativen Erwartungen ausgerichtete Förderung. Das Promotionsvorhaben wirft dabei einen Blick auf genau den ‚Fluss des Wissens durch die Zeit‘ (Jäger 2004), der den zahlreichen Förderkonzepten und Initiativen für diese Kinder seit der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 2001 zugrunde liegt und sie nachhaltig bestimmt. Es liegt ein Diskursverständnis zugrunde, welches den Diskurs über bildungsbenachteiligte (Migrations-)Kinder als eine – durch die PISA-Studie 2001 hervorgebrachte – komplexe Verflechtung von (Be-) Deutungspro­duktionen und Wissens­konstruk­­tionen mit praxis- und subjektkonstituierender Wirkung versteht.  In analytischer Hinsicht greift diese Form einer diskursanalytischen Studie die Untersuchung von Fragen zu gesellschafts­politischen Wissens­verhältnissen und deren Wandel sowie (Be-) Deutungsmacht für die soziale Dienstleistung und Förderung von sozial benachteiligten (Migrations-) Kindern im Institutionsfeld der Kindertageseinrichtungen auf.

 

Andreas Wagner, Promotionsprogramm „Soziale Dienste im Wandel“

Die Förderung gemeindebasierter sozialer Sicherung HIV- und AIDS-betroffener Kinder im südlichen Afrika durch transnationale soziale Hilfsdienste (Arbeitstitel)

Nach dem Tod ihrer Eltern werden Kinder im südlichen Afrika traditionell durch das soziale Sicherungsnetz der erweiterten Familie versorgt. Angesichts der weitreichenden negativen Auswirkungen der HIV- und AIDS-Epidemie auf die Sozialstruktur der besonders betroffenen Länder, wird dieses Sicherungsnetz jedoch sehr stark belastet. So steigt aufgrund der hohen Infektions- und Mortalitätsraten einerseits die Anzahl der zu versorgenden Kinder ohne oder mit schwerkranken Eltern, während gleichzeitig die Zahl der Erwachsenen sinkt, die diese Kinder und Kranken versorgen könnten. Transnationale soziale Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die im Bereich der Unterstützung von Waisen und vulnerablen Kindern (OVC) bzw. AIDS-betroffenen Kindern (CABA) tätig sind, versuchen aus diesem Grund in ihren Projekten lokale Gemeinden und gemeindebasierte Initiativen und Organisationen (CBOs) bei der Fürsorge und Versorgung dieser Kinder und ihrer kranken Eltern sowie im Bereich der Präventionsarbeit und Anwaltschaft zu fördern. Das Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die Schnittstelle zwischen transnationalen Hilfsorganisationen und gemeindebasierten Initiativen zu untersuchen. Von besonderem Interesse sind dabei die zugrunde liegenden organisatorischen und kulturellen Wirkungsmechanismen und -zusammenhänge sowie die daraus resultierenden nachhaltigen Potentiale dieser Kooperationen.

 

Weitere aktuelle Promotionsvorhaben

 

Christina Balke-Melcher

Differentielle Entwicklungsverläufe numerischer bzw. mathematischer Fähigkeiten im Vor - und Grundschulalter

Im Forschungsfeld zu Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten, den sogenannten Lernstörungen, nimmt die Entwicklung der relevanten Vorläuferkompetenzen zunehmend einen wichtigen Platz ein. Es hat sich gezeigt, dass sowohl spezifische (numerische und phonologische) als auch unspezifische Vorläufer (z.B. Arbeitsgedächtnis, Intelligenz, Abrufgeschwindigkeit aus dem Langzeitgedächtnis) deutlichen Einfluss auf die spätere Entwicklung einer Lernstörung haben, bzw. deren Auftreten unterschiedlich gut vorhersagen können (z.B. von Aster, 2007; Krajewski, 2003; Alloway & Alloway, 2010).

Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich darauf aufbauend in einem ersten Schritt mit der Entwicklung von Schwächen in numerischen und phonologischen Vorläuferkompetenzen, sowie deren Einhergehen mit Arbeitsgedächtnisdefiziten bei Kindern mit unterschiedlichen Defizitbereichen im Kindergartenalter bis zum Schuleintritt. Im Weiteren werden unter längsschnittlicher Perspektive die differentiellen Entwicklungsverläufe des Arbeitsgedächtnisses und anderer unspezifischer Einflussfaktoren bei Kindern mit diagnostizierter Lernstörung (Dyskalkulie, Legasthenie, Kombinierte Störung) im Grundschulalter untersucht.

 

 

Sandra Busch

Romantische Mutterbilder

Der gesellschaftliche, der medizinische und auch der pädagogisch-anthropologische Blick auf Mutterschaft und Mütterlichkeit sind, ebenso wie die mütterliche Praxis, historisch und kulturell variabel. Die auf vielfältige Weise erzeugten (idealen) Bilder von Müttern und Kindern unterliegen Moden und sind uneinheitlich, speisen sich aus verschiedenen Denkrichtungen und kulturellen Traditionen.

Im vorliegenden Promotionsvorhaben geht es um eine Rekonstruktion und Beschreibung von Bildern von Mutterschaft, die als romantisch im engeren und weiteren Sinne zu bezeichnen sind. Sie haben, dies gilt es zu zeigen, ihren Ursprung u.a. dort, wo auch eine spezifisch romantische Idee von Kindheit verortet werden kann (vgl. Baader 1996, Ewers 1989). Hierbei gilt es,  die spezifisch romantischen Aspekte von Mutterbildern, wie sie sich in literarischen, pädagogischen, anthropologischen und philosophischen Texten um 1800 darstellen, in ihrem Zusammenhang mit dem Kindheits-, Mutterschafts- und Weiblichkeitsdiskurs des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts zu bestimmen. Spuren romantischer Imaginationen zu Mutterschaft, Mütterlichkeit und der Mutter-Kind-Beziehung finden sich, so die Annahme, in späteren Zusammenhängen und Diskursen bis heute wieder und tragen damit zu einem spezifischen (Selbst-)Verständnis von Mutterschaft und Mütterlichkeit bei. Hier gilt es, aus der Perspektive einer sich  als „kritische Kulturwissenschaft“ (Brumlik 2006) verstehenden Erziehungswissenschaft, sowohl Konstanten als auch mögliche Widersprüche und Brüche, Transformationen und Verschiebungen aufzuzeigen. Das methodische Vorgehen ist dabei kulturgeschichtlich und diskursanalytisch, das gesamte Vorhaben interdisziplinär angelegt, indem literarische, pädagogische und politische Quellen analysiert werden.

 

Iris Hofmann

Heterogene Sorgebeziehungen von studierenden Frauen im Blickpunkt der Vereinbarkeitsproblematik

Die Lebenslagen von studierenden Frauen, die gleichzeitig Care-Aufgaben wahrnehmen, sind bislang nur wenig erforscht. Zwar existieren statistische Erhebungen wie die des Deutschen Studentenwerkes oder des Hochschul Informations System, einige wenige Diplomarbeiten oder Dissertationen sowie ein Sammelband zum Thema „Studieren mit Kind“, andere Sorgebeziehungen als die der Kindererziehung wurden bislang aber nicht untersucht.  Anknüpfend an die FaSt-Studie (Familiengründung im Studium, Helfferich 2007) soll in der geplanten Forschungsarbeit durch episodische Interviews die Vielfältigkeit der Familien von studierenden Frauen und ihre heterogene Sorgearbeit in Hinsicht auf das „Doing Family“[1] sowie die Vereinbarkeit von Studium und Familienaufgaben in den Fokus genommen werden. Ein wichtiger Bezugsrahmen sind die Familienberichte der Bundesregierung, in denen dieses Thema seit 1968 ebenfalls immer wieder angeschnitten wird.

In der geplanten Arbeit finden die verschiedenen familienbezogenen Care-Aufgaben, die Pluralisierung von Lebenslagen, individualisierte Lebensläufe, Familienformen und -leben, die so genannte Vereinbarkeitsproblematik sowie Aspekte der familiengerechten Hochschule besondere Beachtung. So können ansatzweise zwei Forschungslücken geschlossen werden, und zwar eine im Bereich der Familien- und eine in der Hochschulforschung.


[1] Der Begriff des „Doing Family“ beschreibt den Umstand, dass Familie auch eine Herstellungsleistung ist (vgl. u.a. Schier und Jurczyk 2007 und Baader 2012)

 

 

Evelyn Kauffenstein

Eine Historiographie der Mädchenarbeit – Perspektiven der Sozialen Bewegungsforschung

Veränderungen im sozialstaatlichen Gefüge, der individualisierte und entpolitisierte Zeitgeist und die vermeintlich erreichte Gleichberechtigung der Geschlechter erhöhen neben anderen Gründen den Legitimationsdruck von Mädchenarbeit in Deutschland. Neben dem Ringen um finanzielle Absicherung bleiben kaum Kapazitäten für neue, kritische Standortbestimmungen in Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und dem immer wieder geforderten Dialog der Generationen. Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zur Geschichte der Mädchenarbeit zu leisten. Dabei soll die Frage nach den Entstehungs- und Verbreitungsbedingungen der Mädchenarbeit in Deutschland leitend sein. Besonderes Erkenntnisinteresse gilt dem Zusammenhang von Sozialer Arbeit und Sozialen Bewegungen.

Die bisher einzige Arbeit zum Thema, vorgelegt von Claudia Wallner, bemüht sich hauptsächlich um die Korrektur des bestehenden dominanten Narrativ, das in erster Linie den Bezug zur Frauenbewegung sowie die Kämpfe und Errungenschaften feministischer Sozialpädagoginnen betont. Daneben existieren kurze Abrisse, die sich auf wenige, immer gleiche oder keine Quellen berufen, was nicht zuletzt auf eine desolate Quellenlage zurückzuführen ist. Aufgrund dieses Umstands und der zeitgeschichtlichen Aktualität des Themas steht die bisher ausgebliebene Befragung der Gründerinnengeneration – und damit die mündlich erzählte Geschichte der Mädchenarbeit – empirisch im Zentrum der Untersuchung.

Um dabei dem Zusammenhang von Sozialer Arbeit und Sozialen Bewegungen näher zu kommen, soll die bildungshistorische Perspektive mit Erkenntnissen und Konzepten der Sozialen Bewegungsforschung verknüpft werden. Davon ist erstens eine theoretische Fundierung und Konturierung des Bewegungsbegriffs in der historischen Bildungsforschung und zweitens eine mögliche Revision des sozialwissenschaftlichen Bewegungsbegriffs zu erhoffen. Drittens soll mittels Konzepten der Bewegungsforschung die hier angestrebte Historiographie der Mädchenarbeit sozialwissenschaftlich angeleitet und rückgebunden werden.

 

Irene Leser

Die Grundschule aus der Sicht von Kindern mit Migrationshintergrund

Spätestens seit den ersten Veröffentlichungen der PISA- und IGLU-Studien ist eines deutlich und im wissenschaftlichen sowie öffentlichen Diskurs immer wieder besprochen worden: Kinder mit Mi­grationshintergrund schneiden im deutschen Schulsystem im Durchschnitt schlechter ab als Kinder deutscher Herkunft. Die Befunde werden gerne mit sprachlichen, sozialen und kulturellen Unterschieden, Aspekten der institutionellen Diskriminierung seitens der Schule oder der Lehrkräfte, mit sozialräumlichen und/oder herkunftsspezifischen Differenzen sowie auf Ursachen des gesellschaftlichen Basisklimas zurück geführt.

Kaum jedoch wird die Sicht der Kinder auf ihre Schulsozialisation berücksichtigt, eine Forschungsperspektive, die wesentliche Anhaltspunkte zu ihren Wahrnehmungen und Bedürfnissen liefern könnte. Dieses Dissertationsvorhaben geht daher mittels eines kindheitssoziologischen Zugangs der Frage nach, wie Grundschulkinder mit Migrationshintergrund auf ihre schulische Sozialisation blicken.

Der Fokus dieses Projekts besteht vor allem darin, die Varianten der Wahrnehmung von Heterogenität aus dem Blickwinkel der Kinder als Schüler_innen zu rekonstruieren. Dabei werden im partizipativen Verfahren mit den Lehrkräften in zwei Berliner Schulen je ein Fotobuch-Projekt zum Thema „Meine Welt und meine Schule“ durchgeführt, soziale Netzwerke der Kinder (Freundschafts-, Hilfs- und Abneigungsnetzwerke) erhoben, die Deutungs- und Handlungsmuster von Alltag und Schule erfragt und mit den Angaben der Lehrkräfte sowie der Eltern der Kinder in Beziehung gesetzt. 

Die Daten werden im Sinne der Grounded-Theory-Method(ologi)e ausgewertet. Die Analyse zielt darauf ab, die bisherigen Erklärungen der Migrations- und Schulforschung um die Perspektive der Grundschulkinder zu bereichern und einzuordnen.

 

Yvonne Manning-Chlechowitz

Promotionsvorhaben "Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule- Das Kind als Akteur. Wie gestalten Kinder ihren Übergang? Die Übergangsgestaltung aus Perspektive der Kinder"

 

 

 

Jeanette Piekny

Bereichsübergreifendes wissenschaftliches Denken im Kindergartenalter

Im Forschungsfeld zur Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens gibt es zwei weitgehend unverbundene Forschungsansätze: Der bereichsspezifische Ansatz, innerhalb dessen intuitive Theorien zu bestimmten Inhaltsbereichen im Vordergrund stehen, und der bereichsübergreifende Ansatz, der die Entwicklung von Denk- und Schlussfolgerungsprozessen, die für wissenschaftliches Denken in verschiedenen Domänen nützlich sind, fokussiert. Dem bereichsübergreifenden Ansatzes zufolge bestand lange Zeit die Ansicht, dass sich die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken frühestens in der Adoleszenz entwickelt. Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass sechsjährige Kinder bereits konklusive von inkonklusiven Experimenten unterscheiden (Sodian, Zaitchek & Carey, 1991) und dass Vierjährige Zusammenhänge zwischen zwei Variablen erkennen und im Hinblick auf Kausalhypothesen interpretieren können (Koerber, Sodian, Thoermer & Nett, 2005).

Das Promotionsvorhaben geht, anknüpfend an diese Befunde, der Frage nach, wie sich verschiedene Teilprozesse des wissenschaftlichen Denkens im Laufe der Kindergartenzeit entwickeln. Hierzu werden derzeit im Rahmen des Längsschnittprojektes „Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen im Kindergartenalter“ Daten zum Verständnis für die Konklusivität bzw. Inkonklusivität von Experimenten sowie zur Fähigkeit zur Evidenzbewertung erhoben. Zusätzlich wird eine Aufgabe zur Erfassung der Fähigkeit zum vorwissensunabhängigen Generieren von Hypothesen entwickelt und erprobt. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen des Verständnisses für wissenschaftliche Methodik im Kindergartenalter aufzeigen werden, so dass Empfehlungen für die Gestaltung frühpädagogischer naturwissenschaftlicher Förderprogramme die Arbeit abschließen werden.

Zusammenfassung des Promotionsvorhabens

Email-Kontakt: Jeanette Piekny

 

 

 

Ellen Radtke

Evaluation eines Trainingsprogramms zur Überwindung von Arbeitsgedächtnisdefiziten bei Kindern mit spezifischer Sprachentwicklungsstörung und Lese-Rechtschreibstörung

Störungen des Sprach- und Schriftspracherwerbs gehen mit Störungen der phonologischen Informationsverarbeitung einher. Neben der phonologischen Bewusstheit sind vor allem das phonetische Rekodieren im Arbeitsgedächtnis und der Abruf phonologischer Codes aus dem Langzeitgedächtnis betroffen. Forschungsarbeiten im Kontext des Arbeitsgedächtnismodells von Baddeley (1986) haben die Arbeitsgedächtnisdefizite präzise in der phonologischen Schleife und teilweise in der zentralen Exekutive lokalisiert. Vielfach werden die Arbeitsgedächtnisdefizite als komorbides Erscheinungsbild aufgefasst. Die Spezifität des Defizits sowie der enge Zusammenhang von phonologischer Informationsverarbeitung und Sprach- bzw. Schriftspracherwerb legen jedoch eine ursächliche Beziehung zwischen einem funktionalen Arbeitsgedächtnisdefizit und diesen beiden Störungen nahe. Damit gewinnt die mögliche Beeinflussbarkeit der Arbeitsgedächtnisfunktionen eine große Bedeutung. Es stellt sich die Frage, ob vorhandene Arbeitsgedächtnisdefizite behebbar oder zumindest reduzierbar sind. Im Rahmen des Promotionsvorhabens, welches in Kooperation mit dem Sprachheilzentrum Bad Salzdetfurth und der daran angegliederten Burgbergschule realisiert wird, soll das für die verschiedenen Subsysteme des Arbeitsgedächtnisses entwickelte computergestützte und adaptive Training in einem Prätest-Posttest-Follow-up-Kontrollgruppendesign einer isolierten Evaluation unterzogen werden.

 

 

Beate Ronneburger

Erziehung und Geschlecht im pädagogischen Denken und Handeln von Akteurinnen und Akteuren der Kinderladenbewegung

Im Rahmen des DFG-Projekts „Die Kinderladenbewegung als case study der antiautoritären Erziehungsbewegung. 1968 und die Pädagogik in kultur-, modernitäts- und professionsgeschichtlicher Perspektive (1965-1977)“ (Projektleitung: Prof. Dr. M. Baader) werden die bisher von der Forschung vernachlässigten pädagogischen Dimensionen von „68“ untersucht. Das Promotionsvorhaben vertieft hierbei den Aspekt Erziehung und Geschlecht.

Den pädagogischen Aufbrüchen um 1968 wird eine zentrale Rolle hinsichtlich des Wandels der Erziehung in der BRD zugeschrieben (Baader 2008, Tornieporth 1998). Inwiefern im Kontext der pädagogischen Aufbrüche auch Erziehung und Geschlecht verhandelt und Teil der pädagogischen Praxis wurden, wurde bisher kaum erforscht. Die vorliegenden Positionen sind gegensätzlich. Während in der Frauenforschung die These vertreten wird, dass eine geschlechtsbewusste Erziehung von 68erinnen und 68ern nicht thematisiert wurde, sondern erst im Rahmen der Neue Frauenbewegung und der Bildungsreform in den 1970er Jahren (Rendtorff 2006, Faulstich-Wieland 2006), widersprechen erste Erkenntnisse aus der Forschung zur Kinderladenbewegung dieser These (Baader u.a. 2012, Baader/Sager 2010, Iseler 2010). Es ist somit offen, inwiefern von der Kinderladenbewegung Impulse für einen Wandel der Erziehung von Mädchen und Jungen ausgingen. In Anbetracht dessen werden im Rahmen des Promotionsvorhabens Erziehungsvorstellungen und pädagogische Praxen der Kinderladenbewegung hinsichtlich Erziehung und Geschlecht untersucht. Verfolgt werden soll zudem, inwiefern heute für Kinderladeneltern Erziehung und Geschlecht ein Thema darstellt. Als theoretischer Rahmen dienen modernisierungstheoretische Ansätze, die den Wandel des Geschlechterverhältnisses in der BRD fokussieren. Für das methodische Vorgehen wird eine Methodentriangulation gewählt. Zum einen werden schriftliche Quellen aus Berliner Kinderläden inhaltsanalytisch ausgewertet, zum anderen leitfadengestützte Interviews mit Kinderladenmüttern und -vätern geführt und ausgewertet.

 

Christin Sager 

Die Geschichte der Sexualaufklärung in der Bundesrepublik Deutschland (1950-2010)

Sexualität ist immer gesellschaftlich konstruiert und sozialen Normen unterworfen. Aus diesem Grund rückt auch das sexuelle Verhalten von Kindern als Repräsentanten der nächsten Generation in den Fokus des pädagogischen Interesses. Die Vorstellung einer kindlichen Sexualität wurde seit dem Beginn der Moderne tabuisiert und erst durch die Psychoanalyse wieder aufgedeckt. Dennoch dauerte es fast 70 Jahre bis die kindliche Sexualität in der Bundesrepublik im Rahmen der „Kinderladenbewegung“ institutionalisiert wurde. Seit einem Beschluss der Kultusministerkonferenz im Jahr 1968 gilt neben dem Elternhaus die Schule als offizielle Vermittlungsinstanz der Sexualerziehung.

Dieses Forschungsprojekt will die historische Entwicklung der Sexualaufklärung und –erziehung in der Bundesrepublik nachzeichnen. Einen Schwerpunkt bildet die pädagogische „68er Bewegung”, die ein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der infantilen Sexualität legte – mit dem Ziel einer umfassenden Gesellschaftsveränderung.

Hierzu werden Sexualaufklärungsschriften diskursanalytisch untersucht, um die Vorstellungen von und Einstellungen zur kindlichen Sexualität, das dahinter liegende Kindheitsbild sowie die jeweiligen historischen Ziele und Aufgaben der Sexualerziehung herausarbeiten zu können.

Mit dieser Arbeit soll eine Forschungslücke in der (Sexual-)Pädagogik geschlossen sowie eine Erweiterung der Geschichte der Kindheit und der „68er“-Geschichtsschreibung um den Aspekt kindlicher Sexualität vorgenommen werden. Ebenfalls erwartet werden Ergebnisse zur Geschlechtergeschichte, sind die Aufklärungsintentionen doch stark geschlechterdeterminiert. 

 

Email-Kontakt: Christin Sager

 

Anke Vetter

Mütter mit Migrationshintergrund als „gatekeeper(innen)“ für frühkindliche Bildungsprozesse. Möglichkeiten und Chancen von Familienzentren

Die aktuelle Bildungsdebatte ist unter anderem durch die Wahrnehmung der Qualität schulischer Erfolge von Kindern mit Migrationshintergrund bestimmt. Der Zeitraum von der Geburt eines Kindes bis zum Erreichen des Schulkindalters findet in dieser Diskussion jedoch bislang eher wenig Berücksichtigung.

Ausschlaggebend für das Interesse an frühkindlichen Betreuungsangeboten ist unter anderem die Tatsache, ob die Mütter nach der Elternzeit wieder berufstätig sind. Hier lässt sich ein direkter Zusammenhang zum Bildungsgrad der Mütter nachweisen. Der Anteil der Mütter mit Migrationshintergrund wurde bisher nicht gesondert erfasst. (vgl. Betz/ Rother 2008)

Im Bereich der Familienzentren, die nach dem Early Excellence Konzept arbeiten, gibt es die „Growing Together Groups“. Zielgruppe sind Eltern (häufig aber Mütter) gemeinsam mit ihren Kindern in der Altersgruppe von 0 bis 3 Jahren. Es handelt sich dabei um ein besonderes pädagogisches Angebot, welches Eltern im Umgang mit ihren Kindern stärken soll.

Eines dieser Familienzentren, das „Familienzentrum Mehringdamm“ in Berlin, zeichnet sich dadurch aus, dass es stark von Familien bzw. von Frauen mit Migrationshintergrund frequentiert wird, selbst wenn diese teilweise wenig Deutsch sprechen. Im Fokus der Forschung steht die Frage, wie es diesem „Zentrum“ gelingt, die „gate keeper“-Funktion der Frauen zu aktivieren und damit Teilhabe an den Möglichkeiten ihres Sozialraumes zu ermöglichen. (vgl. Betz 2006)

Ein Schlüssel in der Kontaktaufnahme zu den Müttern scheint nach ersten Recherchen in der Rolle der Stadtteilmütter zu liegen. Diese haben meist den gleichen Migrationshintergrund wie ihre Bezugsgruppe und sind in der Regel die ersten Kontaktpersonen.

Sowohl mit den Stadteilmüttern als auch mit den Mitarbeiterinnen des „Familienzentrums Mehringdamm“ sollen Expertinnen-Interviews geführt werden, um herauszufinden, mit welchen Arbeitsansätzen ihnen der erfolgreiche Zugang zu den Müttern mit Migrationsintergrund gelingt.

 

Abgeschlossene Promotionen

 

Ariane von Goldammer

"Von der Sprache zur Schriftsprache - Diagnostische und prognostische Validität der Erfassung von Vorläuferkompetenzen der Schriftsprache im Vorschulalter" (abgeschlossen im Mai 2010)

Als stärkster Prädiktor von Schriftsprachkompetenzen im Grundschulalter gilt bislang die vorschulische phonologische Bewusstheit. Diese stellt jedoch nur eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für den Schriftspracherwerb dar. Einleitend wurden Theorien und Befunde zur Bedeutung breiterer sprachlicher Kompetenzen (Wortschatz, Grammatik) für den erfolgreichen Erwerb des Lesens und Schreibens erläutert. Studie 1 identifizierte im Rahmen einer Längsschnittstudie zur Sprach- und Schriftsprachentwicklung die vorschulische Satzgedächtnisleistung als stärksten Prädiktor der frühen Lese- und Rechtschreibkompetenz. Da die nicht-deutsche Muttersprache eines Kindes einen Risikofaktor für den Schriftspracherwerb im Deutschen darstellt, prüfte Studie 2 im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts „Schulreifes Kind“ (Baden-Württemberg) die diagnostische Validität einer Satzgedächtnisaufgabe bei deutsch- und mehrsprachigen Vorschulkindern. Da sich die Leistungsvarianz in beiden Gruppen gleichermaßen durch die Größe des Wortschatzes und die Kapazität des phonologischen Arbeitsgedächtnisses erklären ließ, hat sich die untersuchte Satzgedächtnisaufgabe als für deutsch- und mehrsprachige Kinder gleichermaßen diagnostisch valide und „culture fair“ erwiesen. Sie stellt ein hybrides Maß dar, in dem sprachliche und phonologische Kompetenzen konfundiert sind. Aufgrund der multifaktoriellen Bedingtheit von Lese- und Rechtschreibleistungen im Grundschulalter sollten Screening-Verfahren zur Identifikation von Risikokindern sowie Förderprogramme gleichermaßen phonologische und sprachliche Kompetenzen berücksichtigen.

 

Sylvia Oehlmann

Erzieherinnen und Lehrkräfte in einer gebundenen Ganztagsgrundschule - ein Vergleich ihrer Kindbilder im Hinblick auf ihre Kooperationen (das Projekt ist seit Dezember 2010 abgeschlossen)

Die Ganztagsschule ist bildungspolitisch gewollt und mit dem Investitionsprogramm der Bundesregierung wurden bis 2007 ein flächendeckender Aufbau und Ausbau in Deutschland umgesetzt. Dabei ist die Ganztagsschule, gerade auch hinsichtlich ihrer Kooperationen mit außerschulischen Partnern, bisher unzureichend wissenschaftlich untersucht. Für die pädagogische Alltagspraxis in der Ganztagsschule stellen multiprofessionelle Kooperationen ebenfalls eine Herausforderung dar. Aus den praktischen Erfahrungen im pädagogischen Handlungsfeld der Ganztagsschule heraus wurde die Fragestellung der explorativen Studie entwickelt und im Rahmen der vorliegenden Untersuchung umgesetzt. Über problemzentrierte Interviews wurden die Kindbilder der pädagogischen Fachkräfte einer gebundenen Ganztagsschule im Zusammenhang zur Kooperation erhoben und angelehnt an die Objektive Hermeneutik ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie werden somit schul- und sozialpädagogische Sichtweisen auf das Kind in der Rahmung Ganztagsschule im Hinblick auf ihre Kooperation vergleichen.