Ariane von Goldammer

Vorhersage von Lese-Rechtschreibleistungen aus vorschulischen Maßen der Sprachentwicklung und der phonologischen Informationsverarbeitung (das Projekt ist seit Mai 2010 abgeschlossen)

Für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb in den ersten Grundschuljahren sind sowohl die phonologische Informationsverarbeitung als auch Kompetenzen der mündlichen Sprache relevant. Im Dissertationsprojekt werden Fragen zu den vorschulischen Prädiktoren des Schriftspracherwerbs und ihrer Abhängigkeit von sozialen Bedingungsfaktoren gestellt und beantwortet. Innerhalb der Göttinger Entwicklungsstudie GESAgT wurde die Vorhersagekraft vorschulischer Sprach- und Arbeitsgedächtnisfähigkeiten für den Schriftspracherwerb überprüft. Da bekannt ist, dass die nicht-deutsche Muttersprache eines Kindes einen Risikofaktor für den Schriftspracherwerb darstellt, wurde im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts „Schulreifes Kind“ (Leitung: M. Hasselhorn, W. Schneider, H. Schöler) überprüft, ob und in welcher Hinsicht sich die Sprach- und Arbeitsgedächtnisfähigkeiten von ausschließlich deutschsprachigen Kindern und mehrsprachigen Kindern unterscheiden.

Email-Kontakt: Ariane von Goldammer

 

Sylvia Oehlmann

Erzieherinnen und Lehrkräfte in einer gebundenen Ganztagsgrundschule - ein Vergleich ihrer Kindbilder im Hinblick auf ihre Kooperationen

Die Ganztagsschule ist bildungspolitisch gewollt und mit dem Investitionsprogramm der Bundesregierung wurden bis 2007 ein flächendeckender Aufbau und Ausbau in Deutschland umgesetzt. Dabei ist die Ganztagsschule, gerade auch hinsichtlich ihrer Kooperationen mit außerschulischen Partnern, bisher unzureichend wissenschaftlich untersucht. Für die pädagogische Alltagspraxis in der Ganztagsschule stellen multiprofessionelle Kooperationen ebenfalls eine Herausforderung dar. Aus den praktischen Erfahrungen im pädagogischen Handlungsfeld der Ganztagsschule heraus wurde die Fragestellung der explorativen Studie entwickelt und im Rahmen der vorliegenden Untersuchung umgesetzt. Über problemzentrierte Interviews wurden die Kindbilder der pädagogischen Fachkräfte einer gebundenen Ganztagsschule im Zusammenhang zur Kooperation erhoben und angelehnt an die Objektive Hermeneutik ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie werden somit schul- und sozialpädagogische Sichtweisen auf das Kind in der Rahmung Ganztagsschule im Hinblick auf ihre Kooperation vergleichen.

Email-Kontakt: Sylvia Oehlmann

 

Jeanette Piekny

Bereichsübergreifendes wissenschaftliches Denken im Kindergartenalter

Im Forschungsfeld zur Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens gibt es zwei weitgehend unverbundene Forschungsansätze: Der bereichsspezifische Ansatz, innerhalb dessen intuitive Theorien zu bestimmten Inhaltsbereichen im Vordergrund stehen, und der bereichsübergreifende Ansatz, der die Entwicklung von Denk- und Schlussfolgerungsprozessen, die für wissenschaftliches Denken in verschiedenen Domänen nützlich sind, fokussiert. Dem bereichsübergreifenden Ansatzes zufolge bestand lange Zeit die Ansicht, dass sich die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken frühestens in der Adoleszenz entwickelt. Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass sechsjährige Kinder bereits konklusive von inkonklusiven Experimenten unterscheiden (Sodian, Zaitchek & Carey, 1991) und dass Vierjährige Zusammenhänge zwischen zwei Variablen erkennen und im Hinblick auf Kausalhypothesen interpretieren können (Koerber, Sodian, Thoermer & Nett, 2005).

Das Promotionsvorhaben geht, anknüpfend an diese Befunde, der Frage nach, wie sich verschiedene Teilprozesse des wissenschaftlichen Denkens im Laufe der Kindergartenzeit entwickeln. Hierzu werden derzeit im Rahmen des Längsschnittprojektes „Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen im Kindergartenalter“ Daten zum Verständnis für die Konklusivität bzw. Inkonklusivität von Experimenten sowie zur Fähigkeit zur Evidenzbewertung erhoben. Zusätzlich wird eine Aufgabe zur Erfassung der Fähigkeit zum vorwissensunabhängigen Generieren von Hypothesen entwickelt und erprobt. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen des Verständnisses für wissenschaftliche Methodik im Kindergartenalter aufzeigen werden, so dass Empfehlungen für die Gestaltung frühpädagogischer naturwissenschaftlicher Förderprogramme die Arbeit abschließen werden.

Email-Kontakt: Jeanette Piekny

 

Olga Remisch

Antiautoritäre Kinderkultur? – Eine Analyse der frühen Arbeiten von Friedrich K. Wächter (1970-1981)

Unter die Chiffre 1968 fallen zahlreiche gesellschaftliche Dynamiken, um deren Rekonstruktion sich die Geschichtsschreibung seit längerem bemüht. Dabei blieben bildungshistorische Horizonte lange Zeit unberücksichtigt, obwohl insbesondere pädagogische Fragestellungen in der Öffentlichkeit diskutiert und Veränderungsprozess auf alltagskultureller Ebene eingeleitet wurden, deren nachhaltige Wirkungen in der westdeutschen Gesellschaft zu beobachten sind. Mit Verweis auf diese Veränderungen innerhalb der Erziehungskultur wird immer wieder auch ein tiefgreifender Einschnitt in kinderkulturellen Bereichen konstatiert, welcher als eine antiautoritäre und emanzipatorische Wende in der Kinderkultur verstanden wird. In diesen Kontext fallen auch die frühen kinderkulturellen Arbeiten des Zeichners, Autors und Dramaturgen F.K. Wächter. Sie werden allesamt als ein Beitrag zur kinderkulturellen Erneuerungsbewegung verstanden, seine Kinderbücher und Theaterstücke gelten als tabufrei, einzelne Arbeiten entstanden im Rahmen der antiautoritären Kinderläden und wurden dort entwickelt und mit Kindern erprobt. Eine systematische Aufarbeitung dieser paradigmatischen Arbeiten steht jedoch noch aus und soll im Rahmen meiner Studie geleistet werden.

Email-Kontakt: Olga Remisch

 

Christin Sager

Geschichte der Sexualaufklärung (Sexualaufklärung in Vorschule und Schule)

Da Sexualität das menschliche Zusammenleben seit jeher prägt, war auch eine Einführung der heranwachsenden Generation in dieses Phänomen unabdingbar. Die Aufgabe der Sexualaufklärung bzw. -erziehung teilten sich im historischen Verlauf verschiedene Instanzen. Seit einem Beschluss der KMK von 1968 gilt neben dem Elternhaus die Schule als offizielle Vermittlungsinstanz. Dieses Forschungsprojekt will die historische Entwicklung der Sexualaufklärung und -erziehung in der Moderne nachzeichnen und dabei sowohl unterschiedliche Einstellungen zur kindlichen Sexualität als auch die jeweiligen historischen Ziele, Aufgaben und Vermittlungsinstanzen der Sexualerziehung nachzeichnen. Einen Schwerpunkt bildet die "68er Bewegung", die bereits in der Vorschule ein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der infantilen Sexualität legte - mit dem Ziel einer umfassenden Gesellschaftsveränderung. Auch gegenwärtig gibt es in einigen Bundesländern Bestrebungen, Kinder bereits im vorschulischen Bereich "aufzuklären" - in diesem Fall als Präventivmaßnahme gegen den sexuellen Missbrauch.

Email-Kontakt: Christin Sager

 

Miriam Sitter

Eine wissenssoziologische Diskursanalyse zur frühpädagogischen Förderung von sozial benachteiligten Kindern – In der Übergangsgestaltung zur Grundschule

Innerhalb der aktuellen Transitionsforschung zeigt sich der elaboriert geführte und insbesondere nach den internationalen Vergleichsstudien – konkretisierte Diskurs um eine frühpädagogische Förderung von sozial be­nach­teiligten Kindern (re-)produziert. Recht einheitlich wird konstatiert, dass positiv verlaufende kind­liche Über­gänge in die Grundschule maßgeblich davon beeinflusst werden, wie die sozio-kulturelle und ethnische Hetero­genität von Kindern aufgegriffen und eine diesbezügliche individuelle Förderung gestaltet wird. Im Rahmen einer Wissenssoziologischen Diskursanalyse geht das Promotionsvorhaben der Frage nach, wie elementarpädago­gische Fachkräfte mit dem – insbesondere durch die internationalen Vergleichsstudien verstärktem – Eindrin­gen von bildungsreform-politischem und interdisziplinär sozialwissenschaftlichem (ExpertInnen-)Wissen um eine frühpädagogische Förderung von sozial benachteiligten Kindern in ihrem Handlungsfeld umgehen. Neben der Untersuchung des Diskurses in seinem Ent­stehungsprozess sowie in seiner Ein- als auch Vieldeutigkeit wird ana­lysiert, wie sich dieses Diskurs-Thema in die alltägliche Handlungspraxis und exem­plarisch in Momenten und Prozessen der Übergangsgestaltung einbaut. Das Promotions­vorhaben richtet folglich seinen Blick auf die Be­ziehung zwischen Diskurs und Praxis und damit auf die strategisch-taktische Diskurs-Performanz der han­delnden Fach­kräfte aus Tageseinrichtungen im fördernden Umgang mit sozial benachteiligten Kindern.

Email-Kontakt: Miriam Sitter