"Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung"

Gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab

Im Zentrum des Forschungsschwerpunktes steht die Entwicklung von Zugänge und Ansätzen einer Inklusiven Bildungsforschung der frühen Kindheit. Das Vorhaben  fördert die Grundlagenforschung in diesem Themenfeld in aufeinander abgestimmten, multidisziplinär angelegten Forschungsprojekten. Ziel ist es, eine multidisziplinäre Bildungsforschung zu etablieren, in der die unterschiedlichen disziplinäre Zugänge reflektiert und produktiv ins Verhältnis zueinander gesetzt werden, ohne die fachspezifischen Differenzen und Besonderheiten in den jeweiligen Forschungszugängen zu verdecken.

Multidisziplinarität grenzt sich – wie bereits erwähnt – entsprechend von Inter- sowie Transdisziplinarität ab, indem sie die unterschiedlichen Forschungstraditionen und -methodologien würdigt, sie zueinander ins Verhältnis setzt und die Reichweiten der jeweiligen Zugänge gemeinsam reflektiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass gerade mit „Inklusion“ eine Herausforderung formuliert ist, die unterschiedliche Forschungszugänge erfordert, die durchaus Ambivalenzen erzeugen können, da auch das Phänomen selbst nicht einer professionellen Bearbeitungsform zugewiesen werden kann – entsprechend eine multidisziplinäre Reflexion der wesentlichen Akteure und Akteurinnen im Feld der Inklusion notwendig erscheint.

Die am Forschungsschwerpunkt beteiligten Forscher_innen werden in drei Forschungsclustern zusammenarbeiten. In den ersten beiden Clustern werden verschiedene Forschungsprojekte zu zentralen Herausforderungen inklusiver Settings in Bildungsorganisationen der frühen Kindheit durchgeführt. Die jeweiligen Zugänge in diesen beiden ersten Clustern zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwei unterschiedlichen und parallel nebeneinander laufenden Paradigmen folgen, die das Forschungsfeld und die Diskussion um „Inklusion“ seit den 1980er Jahren prägen. Das eine Paradigma konzentriert sich eher auf individuelle Problemlagen und kontextuelle Herausforderungen und leitet aus diesen Förderbereiche und geeignete Fördermaßnahmen ab. Das andere Paradigma setzt den Fo­kus eher auf die jeweiligen Kontextbedingungen von Entwicklung und auf soziale Konstruktionsprozesse, die zu Zuschreibungen wie ‚behindert‘ oder ‚förderbedürftig‘ führen (Lütje-Klose 2013, S. 137).

Das dritte Cluster stellt ein sogenanntes Metacluster dar, in dem das „Differenzdilemma“ in den Forschungsergebnissen, -zugängen und -methodologien der beiden ersten Cluster multidisziplinär analysiert und gemeinsam thematisiert wird. Es ist in drei Forschungsprofilen – Wissenschaft, Praxis, Politik – untergliedert und wird insbesondere durch Workshops sowie Sekundäranalysen bearbeitet.

 

A. Forschungscluster: Kognitive Entwicklung und Förderung in inklusiven Settings

⇒ Teilprojekt A1: FRISCH – Frühe Inklusion beim Schriftspracherwerb 
(Teilprojektleitung Prof. Dr. Claudia Mähler, Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie und Diagnostik)

⇒ Teilprojekt A2: STARK – Soziales Training von Raumwahrnehmung und Raumkognition (zur vorschulischen Förderung des mathematischen Grundverständnisses) 
(Teilprojektleitung: Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme, Institut für Mathematik und Angewandte Informatik & Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs, Institut für Psychologie, Arbeitsgruppe Neurodidaktik)

⇒ Teilprojekt A3: FLINK – Fremdsprachenlernen in inklusiven Kontexten: Sprachliche und kognitive Entwicklung in zweisprachigen Einrichtungen 
(Teilprojektleitung Prof. Dr. Kristin Kersten, Institut für englische Sprache und Literatur & Prof. Dr. Claudia Mähler, Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie und Diagnostik)

 

B. Forschungscluster: „Doing inclusion“ – Inklusion als alltägliche Herstellungsleistung

⇒ Teilprojekt B1: IKE - Inklusive Elterninitiativen
(Teilprojektleitung: Prof. Dr. Meike S. Baader, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft)            

⇒ Teilprojekt B2: MuPro - Multiprofessionelle Teams in inklusiven Settings
(Teilprojektleitung: Prof. Dr. Peter Cloos, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft)

⇒ Teilprojekt B3: INKA - Kinder als Inklusionsakteure
(Teilprojektleitung: Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik)

 

C. Metacluster: Inklusion als multidisziplinäre Herausforderung - Differenzdilemmata